Freitag, 5. August 2016

Interview mit Sunny Jones



Liebe Sunny Jones,


ich freu mich sehr, dir heute einige Fragen zu stellen und denke auch meine Leser sind schon sehr gespannt. 

Herzlich gern, liebe Lisa!

1. Zu Beginn stell dich doch bitte kurz selbst vor. J


Ich bin ein fröhlicher, optimistischer Mensch, der mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht. Ich mag Hunde und das Meer, und wenn ich Geschichten schreiben darf, bin ich in meinem Element. Für verschiedene Verlage und Produktionsfirmen schreibe ich mit großer Begeisterung Erwachsenenromane und Drehbücher, wenn ich keine erotischen Geschichten verfasse. Ich wohne abwechselnd in Berlin und Dublin, bin verheiratet und Jahrgang 1980. Sunny Jones ist mein Pseudonym. Als Kind haben mich Freunde Sunny genannt, so kam es zu dem Namen.


2. Wie kam es dazu, dass du zu schreiben anfingst? Hattest du eine bestimmte Person, die dich ermutigt hat, dein Vorhaben in die Tat umzusetzen? Wolltest du schon als Kind Bücher schreiben?

Ich wollte nie etwas anderes machen als schreiben. Ich habe in früheren Jahren als Journalistin und Werbetexterin gearbeitet, bevor ich irgendwann erkannte, dass es am meisten Spaß macht, sich die Story selbst auszudenken. Eine Freundin aus Kindheitstagen hat einmal zu mir gesagt: „Du wirst mal eine große Autorin“, nachdem ich ihr eine eigene Geschichte zum Geburtstag geschrieben hatte. Das hat mich damals sehr angespornt. 


3. Gibt es einen bestimmten Ort, wo du dich zum Schreiben zurückziehst?

Ich wünschte, ich könnte mich jedes Mal, wenn ich schreibe, ans Meer zurückziehen. Aber der Alltag hat auch mich, wie die meisten Menschen, fest im Griff. So schreibe ich meistens in meinem Berliner Büro. Aber wenn es sich ergibt, reise ich an die Nordsee mit dem Laptop und dem Kopf voller Ideen.


4. Unter meinen Lesern gibt es bestimmt auch den ein oder anderen, der selbst schon mal zumindest angefangen hat, etwas zu schreiben, und irgendwann an eine Stelle kam, wo er nicht mehr weiter wusste. Hattest du jemals einen solchen Moment? Wenn ja, wie gingst du damit um bzw. hast du für unsere Leser einen Tipp, wie man wieder die Schreibfeder schwingen lassen kann? 



Ich kenne keinen Autor, der nicht irgendwann an einem Punkt war, an dem er nicht mehr weiter kam. Man ist nicht ununterbrochen im „Flow“, wenn man schreibt. Manchmal ist es einfach harte Arbeit. Mein persönlicher Trick: weiterschreiben, auch wenn ich es in dem Moment grottenschlecht finde. Das Ziel heißt dann, den Roman zu Ende zu bringen, egal wie. Später bügele ich beim Überarbeiten diese Stellen aus. Und manchmal sind sie beim zweiten Lesen gar nicht so schlecht, wie befürchtet.


5. Unter dem Pseudonym schreibst du, liebe Sunny, erotische Kurzgeschichten. Was selbst würdest du einem möglichen Leser erzählen, was ihn erwartet?

Meine Romane sind Sommer-Strand-Kuschelsessel-Entspannungslektüre. Locker-flockige Storys, mit leichter Hand geschrieben, ohne den Anspruch, für alle Zeiten im Gedächtnis zu bleiben. Ich will die Leserinnen von der ersten bis zur letzten Seite mit originellen Charakteren und sinnlichen Details unterhalten. Es gibt viele sehr gefühlvolle Szenen, und der Humor kommt auch nicht zu kurz. Ich hoffe, man merkt den Romanen an, dass ich beim Schreiben selbst mitfiebere und manchmal auch schmunzele.


6. Los ging es mit der Kurzgeschichte „Sommer hautnah“. Lillian muss mit eigenem Auge erblicken, dass ihr Freund Nick sie betrügt. Statt jedoch wie viele andere in solch einer Situation sich die Augen aus dem Kopf zu heulen, setzt sie auf Rache. Wie kam die Idee und was erwartet den Leser auf Mallorca, wo Lillian mit ihrer besten Freundin hin reist?


Ja, „Sommer hautnah“ ist und bleibt einer meiner Lieblingsromane! Als ich mir die Geschichte ausdachte, fiel mir auf, wie oft ich es schon gelesen hatte, dass Frauen das heulende Elend bekommen, wenn der Mann sie betrügt. Ich wollte mit dieser Erwartungshaltung brechen und Lillian – ganz im Gegenteil – nun erst recht Spaß haben lassen. Mir gefällt Lillians Stärke. Ich schreibe nicht gern über Menschen, die sich hängen lassen und sich ihrem Schicksal ergeben. Es war ein Vergnügen, den Roman zu schreiben, zumal Mallorca auch für mich immer noch ein Traumziel ist.


7. Weiter ging es mit „Atemlose Nächte mit dir“, magst du uns die beiden dortigen Protagonisten, Helen und Lukas kurz beschreiben?

Helen ist eine starke junge Frau, eine Reporterin, die glaubt, jeder Situation gewachsen zu sein. Und Lukas ist ein Mann, dessen Bild in der Öffentlichkeit stark von dem abweicht, was ihn als Mann tatsächlich ausmacht. Beide sind aufmerksam darauf bedacht, sich nicht übers Ohr hauen zu lassen. Daraus ergeben sich prickelnd-spannende Momente und Wendungen. Den Leserinnen scheint das extrem gut zu gefallen: „Atemlose Nächte mit dir“ ist der erfolgreichste Sunny-Jones-Titel und stand am längsten von allen Titel in den Kindle-Top-100.


8. Die Story schreit förmlich nach Spannung und Erotik, dürfen wir uns auf ein paar heiße Momente voller fiesen Intrigen freuen? Und magst du uns vielleicht einen kleinen Textschnipsel zeigen? J

Aber klar doch J Hier die erste Mail, die Lukas Graf an die Reporterin Helen Harrington schreibt: „Sehr geehrte Frau Harrington, wie mir Ihre Redaktion mitgeteilt hat, darf ich Sie am Montagmorgen gegen zehn in meinem Haus begrüßen. Ich freue mich sehr auf den Termin und möchte Ihnen vorab versichern, dass alle Gerüchte, die Sie je über mich gelesen haben, der Wahrheit entsprechen. Rechnen Sie mit dem Schlimmsten – ich freue mich darauf. Mit besten Grüßen, Ihr Lukas Graf.“


9.“ Lust auf deine Sinnlichkeit“ ist die dritte Kurzgeschichte unter Sunny Jones. Wieder eine durchaus erotische Geschichte, diesmal aber mit dem Thema der Hochzeit. Bzw. wohl eher eine Braut die sich nicht traut. Eine Frau und drei Männer?! David, Matt und Robert – was unterscheidet die drei voneinander und für welchen schlägt dein Leserherz? 

Ja, in „Lust auf deine Sinnlichkeit“ läuft es besonders turbulent! David geht gar nicht, finde ich – dem musste Kira den Laufpass geben, sonst wäre sie niemals glücklich geworden. Den guten Kumpel Matt mag ich sehr, aber Robert ist natürlich ein Traummann. Ich stelle es mir sehr erotisch vor, mit dem Typen, den man als Jugendliche angehimmelt und der einen damals gar nicht bemerkt hat, als Erwachsene im Bett zu landen. 


10 Deine vierte Story, war mein erstes Lesevergnügen mit dir. Springtime Lover. Und ich kann nur sagen „Spontan entdeckt und gleich verschlungen“. Eine spannende Story rund um Nora und Tom. Nora die nach einem Überfall in der Bankfiliale, wo sie arbeitet, erstmal eine Auszeit auf der idyllischen Nordsee Insel bei ihrer Tante braucht und ausgerechnet da, wieder auf den Typen trifft, von dem sie ebenfalls eine Auszeit braucht… wie würdest du dem Leser die Situation zwischen Tom und Nora beschreiben?

Deine Rezension finde ich großartig! Nora ist ja zu Beginn vor allem eine beschädigte Figur. Der Banküberfall war traumatisch für sie. Danach ist es nicht so leicht, wieder mit allen Sinnen genießen zu können. Zur Veranschaulichung hier ein Textschnipsel: „Sie hielt die Augen geschlossen, legte den Kopf weit in den Nacken, stützte die Hände auf seinem breiten Brustkorb an und ließ das Becken kreisen. Sie spürte, wie sie auf den Höhepunkt zutrieb, steigerte das Tempo, stöhnte immer lauter, atmete schneller. Dann beugte sie sich über ihn, so dass die Haare neben ihr herabfielen wie ein Vorhang. Sie wollte ihn küssen, wollte seine Zunge zu einem wilden Tanz herausfordern, doch als sie die Augen öffnete, um in seinem Blick zu versinken, erstarrte sie wie eine Eisskulptur. Ihr Blut schien gefroren, hier Herzschlag setzte aus, sie wollte schreien, aber kein Laut drang aus ihrer Kehle. Unter ihr lag nicht, wie sie angenommen hatte, der atemraubende Tom Lawson, sondern der Gangster aus der Bankfiliale mit seiner platten Nase und einem zynischen Lächeln auf dem verkniffenen Mund. „Na, los, Baby, hol dir, was du brauchst“, zischelte er und stieß wieder tief in sie hinein. Diesmal schmerzte es wie ein Dolchstoß.

Nora öffnete den Mund, nahm allen Willen zusammen und schrie sich die Seele aus dem Leib, während seine Arme sie nun wie Eisenzwingen hielten. Sie schlug und trat und schrie immer gellender – und endlich erwachte sie schweißüberströmt.

Ihre Laken waren klamm, sie zitterte am ganzen Körper. Die Haare hingen ihr in Strähnen in die Stirn. Sie atmete keuchend und befürchtete, im nächsten Moment an Herzversagen zu sterben. Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen, versuchte nur, die körperlichen Reaktionen auf diesen Alptraum unter Kontrolle zu bringen.

Sie schwang die Beine aus dem Bett und fühlte den weichen Teppich unter den Füßen. Endlich wieder etwas Vertrautes. Sie stützte die Ellbogen auf die Oberschenkel und barg das Gesicht in den Händen, rieb sich die Nasenwurzel, die Augen, die Mundwinkel. Allmählich entspannte sie sich, während hinter ihrer Stirn ein Tickerband lief: Es war nur ein Traum, es war nur ein Traum.“


11. Heiße Herzen dreht sich um das Schauspielerleben der jungen Julie Clark. Worauf können sich die Leser freuen und wie entstand die Idee zu dieser Story?


Ich habe mich schon oft gefragt, was eigentlich in Schauspielern vor sich geht, die Liebesszenen spielen müssen. Und tatsächlich passiert es ja immer wieder, dass sie sich dabei verlieben. Kein Wunder, finde ich. Da läuft das normale Spiel von Verliebten andersherum ab: Erst der Kuss und dann die Annäherung. Julie ist eine ganz Wilde, die nichts auslässt, um an ihrer Karriere zu basteln und Spaß zu haben. Ich mag sie sehr, weil sie es versteht, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Bis das Leben ihr Stolpersteine in den Weg legt … Da muss sie beweisen, wie stark sie wirklich ist.


12. Deine neuste Geschichte „Liebesfieber unter Sternen“ durfte ich dank dir lesen, erstmal nochmal vielen lieben Dank dafür. Was soll ich sagen, diese Geschichte war wieder klasse und vor allem hat sie Lust auf Urlaub gemacht. Trotz der Kürze, war sie spannend und hielt jede Menge Wendungen bereit. 

Vielleicht magst du mit eigenen Worten meinen Lesern berichten, worauf sie sich in dieser Geschichte freuen dürfen?

Carina wollte richtig durchstarten und muss zu Anfang des Romans erkennen, dass sie gescheitert ist. Ihr Leben liegt in Scherben vor ihr. Statt sich in blinden Aktionismus zu stürzen und zu retten, was zu retten wäre, nimmt sie sich lieber eine Auszeit, um alles in Ruhe zu bedenken. Das Angebot, bei einer Kreuzfahrt mitzureisen, kommt ihr da gerade recht. Entspanntes Leben an Bord, die Sterne des Nordens über ihr, fremde Häfen, fremde Menschen … Carina erfindet sich neu, und auf diesem Weg gibt es so manche erotische Begegnung und manche spannende Wendung.


13. Hast du einen kurzen Textschnipsel für uns?

Ja, gerne, hier kommt er: „Wie es aussieht“, fuhr er unbeirrt fort, „werden wir drei wundervolle Wochen lang das Vergnügen miteinander haben. Ich hatte keine Ahnung, dich hier zu treffen, aber ich halte das für einen schicksalhaften Zufall.“

Carina schürzte die Lippen und zog den aus luftigen Maschen gehäkelten Mohair-Poncho enger um sich. „Was ein Vergnügen ist und was keines, darüber kann man sicher geteilter Auffassung sein. Und ein schicksalhafter Zufall? Zwischen uns ist alles gesagt, Robert. Du warst derjenige, der sich gegen unsere Beziehung ausgesprochen hat. Ich bin darüber hinweg. Bist du etwa allein unterwegs?“

Sein Lächeln schwand, der Glanz in seinen Augen verblasste. Er verzog bedauernd den Mund und hob die Schultern. „Leider nicht. Ich hätte viel darum gegeben, allein unterwegs zu sein und dich zu treffen. Aber Fakt ist, ich reise mit Sarah.“

Hinter Carinas Stirn überschlugen sich die Gedanken. In was für eine Art Spiel zog er sie hinein? Was sollte die Anmache, wenn sich doch an seiner Situation nichts geändert hatte? Sie erinnerte sich überdeutlich an den Tag, als Robert ihr gestand, dass er Sarah Delaney heiraten würde. Sie hatte vor den Scherben ihrer Lebensplanung gestanden, aber sie hatte sich gefangen und würde sich kein zweites Mal auf einen Mistkerl wie Robert einlassen.


14. Gibt es bei den Protagonistin Ähnlichkeiten zu realen Personen oder erfindest du sie ohne konkreten Bezug?

Ganz ausschließen kann ich es nicht, dass meine Eindrücke von real existierenden Menschen einfließen J Aber ich mache das nicht bewusst. Alle Figuren basieren auf meiner Phantasie.


15. Was dürfen wir in Zukunft noch unter Sunny Jones erwarten?

Zunächst einmal habe ich in den vergangenen Wochen fünf Sunny Jones Titel via tolino veröffentlicht, sodass sie jetzt nicht nur bei amazon, sondern im E-Pub-Format bei allen großen Online-Buchhändlern wie Thalia, Weltbild, Hugendubel, E-Books, Bücher etc. zu haben sind. Die Romane werden auch von den E-Pub-Leserinnen mit großer Begeisterung aufgenommen, worüber ich mich sehr freue. Anfang nächsten Jahres will ich die sechs Titel eventuell in kostengünstigen Sammelbänden zusammenfassen, und langfristig plane ich auch einen Sunny Jones Titel im XXL Format mit mindestens 350 Seiten. Darauf freue ich mich schon, das wird eine Herausforderung. Bislang fand ich den knackig-kurzen Erzählton für die erotischen Romane besonders reizvoll, aber ich probiere gern auch mal Neues aus.

Noch ein bisschen Persönliches:


16. Veröffentlichst du deine Werke als Self-Publisher oder in einem Verlag? Wenn ja in welchem Verlag?

Die Sunny Jones Romane erscheinen im Self-Publishing. Aber als Autorin arbeite ich sonst auch mit Verlagen und Filmfirmen. 


17. Ist das Schreiben zurzeit dein Hauptberuf? Wenn nein, was machst du beruflich?

Ja, ich kann glücklicherweise vom Schreiben leben. Schriftstellerin zu sein war und ist mein Traumberuf.


18. Gibt es ein bestimmtes Ritual beim Schreiben? Hörst du Musik oder brauchst du etwas bestimmtest um dich auf deine Ideen konzentrieren zu können?

Ich bin leidenschaftliche Teetrinkerin und habe beim Schreiben stets eine dampfende Tasse neben mir stehen, an der ich nippe, wenn ich eine Denkpause mache. Früher habe ich dann zur Zigarette gegriffen, aber dieses Laster habe ich glücklicherweise aufgeben können.


19. Viele Autoren machen sich Notizen und schreiben erst dann am PC. Bist du genauso, oder schreibst du einfach drauf los? J

Ich lege mir vor dem Schreiben einen groben Rahmen fest. Wo komme ich her, wo will ich hin, welche Konflikte ergeben sich? Dann schreibe ich drauflos und werfe immer wieder einen Seitenblick auf meinen Plan, um nicht zu weit von der Spur abzukommen.



Und nun zum Abschluss noch ein paar kurze Vorlieben:

Gummibären oder lieber Schokolade?

Immer und immer wieder nur: Schoko! 

E-Book oder das gute alte Papier? 

Beides gleich gern.

Currently Reading?

Royal passion. Und Jojo Moyes.

Lieblingsland?

Irland 

Lieblingsessen?

Fish and Chips

Meer oder Berge? 

Immer das Meer.

Lieblingssong? 

Waltzing Matilda

Sommer oder Winterkind?

Sommerkind

Tee oder Kaffee?

Tee 

Lieblingsautor?

Ken Follett 

Hast du für meine Leser zum Abschluss unseres Interviews noch ein absolutes Lieblingszitat, was du ihnen mit auf den Weg geben möchtest?

„Denke an das Vergangene, wenn du traurig sein willst. Denke an die Zukunft, wenn du ängstlich sein willst. Genieße den Moment, wenn du glücklich sein willst.“ 

Vielen lieben Dank, dass ich dieses Interview mit dir, liebe Sunny Jones, führen durfte und du dir die Zeit dafür genommen hast. 

Viel Erfolg weiterhin beim Schreiben und ich hoffe, wir werden noch viele weitere tolle Geschichten von dir zu lesen bekommen.

1 Kommentar:

  1. Das Zitat ist ja auch mal voll schön... und beinhaltet nur Wahres...aus meiner Sicht.... (-:
    Tolles Interview, tolle Hintergrundinfos... WOW... sympatische Autorin..., deren Romane nun allesamt auf meinen WuLiS landen...

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